Bibliographie zur Geschichte und Kultur des Weines [=Schoene3]

Ältere Weinliteratur in Bibliotheken

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken


Zahlreiche Bibliotheken in der Bundesrepublik Deutschland, in Österreich, der Schweiz, der Tschechischen Republik und der Vereinigten Staaten von Amerika besitzen umfangreiche Sammlungen älteren Weinschrifttums. Soweit es sich dabei um Bestände deutscher Bibliotheken handelt, wurden sie weitgehend in der Bibliographie zur Geschichte und Kultur des Weines erfasst. Weinliteratur in ausländischen Bibliotheken konnte nur zum Teil berücksichtigt werden. Vor allem wurden diejenigen Schriften aufgenommen, die in deutschen Bibliotheken nicht nachzuweisen waren.

Dass die Weinliteratur, vor allem die des 15. bis 19. Jahrhunderts, im deutschen Sprachgebiet an vielen Stellen verstreut zu finden ist, erklärt sich wohl hauptsächlich aus der geschichtlichen Entwicklung in diesem Raum. Im Unterschied zu Frankreich und England, wo das gesamte Schrifttum schon relativ früh jeweils an einem Ort in Nationalbibliotheken gesammelt wurde, fehlte in Deutschland bis zur Reichsgründung 1871 jede Voraussetzung für eine solche Zentralisierung. Danach erhielt die Königliche Bibliothek zu Berlin, die heutige Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz mehr und mehr den Charakter einer Nationalbibliothek, 1912 ergänzt durch die Gründung der Deutschen Bücherei in Leipzig. Seit dem 1. Januar 1913 sind hier und außerdem ab 1945 in der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main auch die im In- und Ausland erschienenen deutschsprachigen Weinmonographien vorhanden. In 1990 wurden beide Bibliotheken vereinigt und tragen seit 2006 die Bezeichnung Deutsche Nationalbibliothek. Beide Bibliotheken erhalten aufgrund der Pflichtablieferung je ein Exemplar jedes in der Bundesrepublik Deutschland veröffentlichten Werkes.

Sammelorte für die vor 1913 erschienene Weinliteratur sind im Bereich der Bundesrepublik Deutschland (alte Bundesländer) vor allem die in den heutigen Weinanbaugebieten liegenden Bibliotheken: an der Mosel einschließlich Saar und Ruwer die Stadtbibliothek Trier; im Rheingau und im Bereich der Hessischen Bergstraße die Landesbibliotheken in Wiesbaden und Darmstadt und die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt a.M.; in Rheinhessen die Stadtbibliothek Mainz; in der Pfalz die Pfälzische Landesbibliothek in Speyer; in Franken die Universitätsbibliothek Würzburg; in Württemberg die Landesbibliothek in Stuttgart und die Universitätsbibliotheken Stuttgart-Hohenheim und Tübingen; in Baden die Universitätsbibliothek Freiburg i.Br.

In den neuen Bundesländern sind wiederum die Bibliotheken zu nennen, die in den Weinanbaugebieten Saale-Unstrut und Elbe liegen: die Universitäts- und Landesbibliothek Halle/Saale sowie die Sächsische Landesbibliothek in Dresden. Letztere hat im Zweiten Weltkrieg empfindliche Verluste erlitten, auch im Bereich der Weinschriften und Inkunabeln.

Umfangreiche Sammlungen von Weinschrifttum gibt es aber durchaus auch in Bibliotheken außerhalb der Weinanbaugebiete, so in Bayern in der Bayerischen Staatsbibliothek München, die über einen sehr großen Bestand an älteren Weinpublikationen verfügt und nach und nach diese Werke digitalisiert und im Internet einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht. Ferner gibt es zahlreiche ältere Weintitel in der Universitätsbibliothek Erlangen; in Niedersachsen in der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel und in der Niedersächsischen Landesbibliothek Hannover.

Aus den Katalogen der Staatsbibliothek zu Berlin geht hervor, dass auch diese Bibliothek bis zum Zweiten Weltkrieg eine große Sammlung älterer Weinschriften besaß, teilweise Unikate. Leider muss der grösste Teil heute als Kriegsverluste gelten.

Zu erwähnen ist auch die Hauptbibliothek der Forschungsanstalt für Weinbau in Geisenheim mit ihren umfangreichen Beständen zu Weinbau und zur Weinbereitung, zur Rebenzüchtung, zur Ampelographie und Weinzeitschriften.

Im Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg i.Br. ist die Privatbibliothek des Oenologen, Professors, Weingutsbesitzers und Präsidenten des Deutschen Weinbauvereins, des späteren Deutschen Weinbauverbandes, Adolf Blankenhorn aufgestellt. Sie umfasst ca. 1000 Bände mit vor allem sehr kostbaren Werken vom 15. bis 19. Jahrhundert zu allen Gebieten des Weinanbaus, der Kellerwirtschaft, den regionalen Weinbau, Schriften zur Reblausbekämpfung usw.

Für Österreich ist die Österreichische Nationalbibliothek Wien zu nennen, die ebenfalls eine beachtliche Anzahl älterer Weinmonographien in ihrem Besitz hat.

Die Schweiz verfügt in den Universitätsbibliotheken Bern und Basel, in der Kantonsbibliothek Vadiana in St. Gallen sowie der Stiftsbibliothek St. Gallen über bemerkenswerte Bestände älterer Weinliteratur.

Für die Tschechische Republik ist die heutige Mährische Landesbibliothek - Universitätsbibliothek Brünn anzugeben. Dort erschien 1968 ein Katalog in dem 1445 Weintitel aus verschiedenen Sprachen angezeigt sind.

Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika gibt es beispielsweise in der University Library, Davis, in Kalifornien, eine sehr umfangreiche Sammlung von älteren Weinschriften, wobei einige Weinmonographien in deutscher Sprache als Unikate zu betrachten sind.

Mit dem Medium Internet ist es möglich die Online-Kataloge der hier genannten Bibliotheken zu konsultieren und sich genau über die Bestände zu informieren.

Die Angaben über "Ältere Weinliteratur in Bibliotheken" beruhen vor allem auf den Erfahrungen, die im Zuge der Literatursuche für die Weinbibliographie gesammelt werden konnten: bei Besuchen zahlreicher Bibliotheken, durch Umfragen über den Fernleihverkehr, durch Einsichtnahme von Sachkatalogen (Systemstellen Wein, Weinbau, Weinhandel usw.) und in den letzten Jahren durch Konsultationen im Internet.

(Die vollständigen Namensangaben zu den einzelnen Bibliotheken sind in der "Liste der Besitznachweise (Bibliothekssigel)" (s.a. Navigationsleiste; Suche in Schoene3) zu finden).

 

Bonn, im Dezember 2009                                                                                                                            

Renate Schoene


nach oben