Bibliographie zur Geschichte und Kultur des Weines [=Schoene3]

Kurzer Historischer Abriss der Weinliteratur

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1. Allgemeines Schrifttum

Der Weinbau ist eine der ältesten Zivilisationsleistungen des Menschen und fand schon früh in Kunst, Dichtung und Religion seinen Niederschlag infolge der großen Bedeutung des Weines seit prähistorischer Zeit. Bereits die ersten schriftlichen Zeugnisse beschäftigen sich mit dem Wein, so die mykenische Linear B-Schrift des 2. vorchristlichen Jahrtausends. In der griechischen Literatur seit Homer wird Weingenuss und Rebenanbau vielfach erwähnt und mit Einzelheiten dargestellt.

Die Entstehung einer Fachliteratur über Weinbau und Weinbereitung fällt jedoch in den Hellenismus. Dies hängt zusammen mit der differenzierten Wirtschaftsstruktur dieser Epoche, die zum Ausbau spezieller landwirtschaftlicher Methoden führte, zugleich auch mit der massenhaften und auf alle Lebensbereiche bezogenen Fachschriftstellerei, die nun entstand. Diese hellenistische Fachliteratur, in deren landwirtschaftliches Schrifttum auch der Weinbau eingeordnet war, ist fast vollständig untergegangen.

Ihre Ergebnisse und Erfahrungen sind jedoch, neben den Lehren des ebenfalls verschollenen landwirtschaftlichen Handbuches des Karthagers Mago (2. Jh. v. Chr.) in der römischen landwirtschaftlichen Fachliteratur aufgegangen und für die Folgezeit bewahrt worden. Hier sind die Namen Cato d.Ä., Varro, Columella, Palladius zu nennen. Vergil nimmt mit seinem Lehrgedicht der Georgica, in deren 2. Buch der Weinbau abgehandelt wird, eine besondere Stellung ein. Ausführliche Angaben über Wein- und Rebsorten verdanken wir der enzyklopädischen Naturalis historia des älteren Plinius.

Das römische Wissensgut auf diesem Gebiet, das auch im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung und dem starken Aufschwung des Weinbaues und Weinhandels vom 2. Jahrhundert v. Chr. ab zu sehen ist, setzte sich noch fort in den sogenannten Geoponica, einer byzantinischen Sammlung landwirtschaftlicher Exzerpte, und wurde dann zur Grundlage der mittelalterlichen Weinbaupraxis. 'Daß überhaupt so viel von der römischen Fachschriftstellerei gerettet worden ist, verdanken wir in erster Linie ihrer praktischen Verwendbarkeit auch für die Mönche des Mittelalters' (Gerhard Bendz in: Lexikon der Alten Welt. Zürich 1965).

Schriftliche Zeugnisse des Mittelalters auf diesem Gebiet sind uns noch relativ wenig bekannt. Das hängt damit zusammen, dass Fachliteraturforschung für diese Zeit bisher, soweit sie überhaupt betrieben wurde, vorwiegend durch Philologen geschah. Und auch sie sind zunächst (im 19. Jahrhundert) nur sehr zögernd daran gegangen, mit einiger Intensität erst seit Mitte des letzten Jahrhunderts.

Man kann daher zur Zeit nur Vermutungen darüber hegen, was wohl in klösterlichen Handschriften hierüber noch verborgen sein mag. Es ist kaum zweifelhaft, dass die Mönche, die in umfangreichem Maße Weinbau betrieben haben, ihre Erfahrungen auf allen damit zusammenhängenden Gebieten, wie Weinbau, Weinbereitung, Weinhandel usw. schriftlich niedergelegt haben. 

Gerhard Eis, der sich unseres Wissens als erster der Erfassung mittelalterlicher Fachliteratur zuwandte, nennt als deutsche Quellen land- und hauswirtschaftlicher Literatur aus dem 8. Jahrhundert lediglich die Marktbeschreibungen, aus dem 10. Jahrhundert die sogenannten Heberollen und als wichtigste lateinische Quellen für diesen Zeitraum die Capitularien Karls des Großen (Eis: Mittelalterliche Fachliteratur. Stuttgart 1962). Praktische Bedeutung gewann danach erst wieder das 'Pelzbuch' des Gottfried von Franken (14. Jahrhundert; 'pelzen' = pfropfen) als 'Hauptwerk der altdeutschen Agricultura-Literatur', dessen erster Entwurf noch lateinisch abgefasst war. Es behandelt neben Baumpflege und Obstverwertung auch Rebenzucht und Kellermeisterei.

Mit der Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert war eine vorher nicht gekannte Wissensverbreitung gegeben. War bis dahin alles Geschriebene mehr oder weniger dem begrenzten Kreis der Geistlichkeit und der Gebildeten vorbehalten und in deren Sprache, dem Lateinischen abgefasst, wurden nunmehr auch Gebrauchsbücher ins Deutsche übersetzt und bald auch original verfasst.

Im 15. und 16. Jahrhundert wurden zahlreiche Werke zur Weinbereitung, zum Weingenuss, zu Wein und Gesundheit, zu Speisen und Wein und Kochen mit Wein veröffentlicht. Dabei handelt es sich vor allem um Schriften des Arnoldus de Villa Nova, Bartholomaeus Platina und um anonym erschienene Veröffentlichungen, die in der Weinbibliographie unter den fingierten Titeln Küchen-, Koch- und Kellermeistereien verzeichnet wurden und teilweise oder vollständig identisch oder untereinander nach Aufbau und Inhalt ähnlich sind, sich aber in der Orthographie voneinander unterscheiden



Abb. 1: Arnoldus de Villa Nova:
De vinis, deutsch ... .

[Esslingen: Konrad Fyner, nach 2. Oktober 1478.]
Schoene3: Nr. 10955.



Abb. 2: Platina, Bartholomaeus:
Von allen Speisen vn Gerichten.

... WJe man Wein ... .
Straßburg: Christian Egnolph  1530.
Schoene3: Nr. 13182


Neben den bisher erwähnten Publikationen, die sich außer mit den Speisen und ihrer Verfeinerung auch eingehend mit der Weinbereitung und der Verwendung des Weines für Küche und Tafel beschäftigen, sei auf die land- und hauswirtschaftliche Literatur hingewiesen, so z.B. auf Petrus de Crescentiis Ruralia commoda mit ihren ausführlichen Kapiteln über Weinbau und Weinbereitung. Die Erstausgabe erschien 1471 und ist das älteste Buch in der Weinbibliographie (s.a. Schoene3: Nr. 3669).

Im 16. Jahrhundert wurden auch erste Ansätze zu einer wissenschaftlichen Botanik erkennbar, und zwar in den Kräuterbüchern, in denen auch die Weinrebe abgehandelt wird. Ungefähr zur gleichen Zeit entsteht die sogenannte Hausväterliteratur, Zusammenstellungen von Anweisungen für alle Verrichtungen der Haus- und Hofwirtschaft. Hierfür sei als Standardwerk Johann Colers (1566-1639) Hausbuch genannt, in dem Weinbau und Weinbereitung einen breiten Raum einnehmen (s.a. Kurt Lindner: Das Hausbuch des Johann Coler, in: Festschrift für Claus Nissen zum siebzigsten Geburtstag, 2. September 1971. Wiesbaden 1973, S. 503-564). Erwähnt werden sollte auch Julius Bernhard von Rohr (1688-1742) der zu den bekanntesten Autoren der Hausväterliteratur gehört.




 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Abb. 3: Rohr, Julius Bernhard von:     Compendieuse Haußhaltungs-Bibliotheck, ... Von der Haußhaltung ueberhaupt; ... Weinbergen, ... Andere ... Auflage. Leipzig: Martini 1726.
Schoene3: Nr. 3775.


Bereits im 18. Jahrhundert erschienen selbstständige Werke zu den Themen Weinbau, Weinbereitung, Kellerwirtschaft und Weingenuss unter medizinischen, ethischen und religiösen Aspekten; ebenso die ersten Bücher über den regionalen Weinbau.

Im 19. Jahrhundert gab es im Zuge der sich entfaltenden Naturwissenschaften und der Industrialisierung eine Flut von Veröffentlichungen auf önologischem Gebiet, die alle Bereiche des Weines und Weinbaues berücksichtigten: Weinbau und Weinbereitung, Rebsorten, Züchtung und Veredlung der Rebe, Erforschung der Rebenschädlinge und Mittel zu ihrer Bekämpfung.

Auch die Weinverbesserung spielte in der Kellerwirtschaft eine immer größere Rolle. Der französische Chemiker Jean-Antoine Claude Chaptal (1756-1832) befürwortete in seinen Schriften eine nach ihm benannte kellertechnische Maßnahme, die Chaptalisierung, zur Erhöhung des endgültigen Alkoholgehalts von Wein durch Zugabe von Zucker zum Traubenmost vor bzw. während der Gärung. Chaptal verfasste den Abschnitt über Wein im Werk Theoretisch-practische Abhandlung über den Weinbau; ... .


 

Abb. 4: Chaptal, Jean-Antoine Claude; Rozier,:; Parmentier,:; Düssieux: Theoretisch-practische Abhandlung über den Weinbau; ... . Bd. 1.2. Wien: Degen 1804.
Schoene3: Nr. 4017.


Die Intensivierung und fortschreitende Spezialisierung der Forschung auf all diesen Gebieten führte in der Mitte des 19. Jahrhunderts zur Gründung von Zeitschriften sowohl allgemein naturwissenschaftlichen Inhalts als auch spezieller Weinforschung. Ferner entstanden in dieser Zeit in mehreren Weinbauregionen Lehr- und Forschungsanstalten, die ihre eigenen Publikationen herausgaben. Weinbauverbände und -vereine wurden ebenfalls gegründet. Gleichzeitig wurde die bisher bekannte Weinliteratur zum ersten Mal in selbstständigen Bibliographien erfasst (s.a. Abschnitt 2: Bibliographien).

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts (1907) brachte Friedrich von Bassermann-Jordan (1872-1959) sein bis zum heutigen Tage unentbehrliches Standardwerk Geschichte des Weinbaus heraus, das 1923 in einer erweiterten Auflage sowie in den Jahren 1975 und 1991 im Nachdruck erschienen ist. Dieses Werk gibt über alle Gebiete des Weines umfassende Informationen und enthält auch ein sehr umfangreiches Literaturverzeichnis. Karl Müller (1881-1955) veröffentlichte von 1928 bis 1930 sein Weinbaulexikon, das auch für den Weinforscher in unserer Zeit von grundlegender Bedeutung ist.

In den letzten sechzig Jahren hat die Weinliteratur einen breiten Raum auf dem Buchmarkt eingenommen. Das sehr große Angebot an wissenschaftlichem und populärem Weinschrifttum zeigt, dass wir heute in einer Konsumgesellschaft leben, für die Wein schon lange nicht mehr ein Luxusgetränk ist, sondern ein Genussmittel neben anderen. Das Interesse der Menschen ist in der Gegenwart über den Genuss von Wein hinaus auch auf seine Geschichte und Kultur gerichtet.

Seit Mitte der 1990er Jahre ist erneut eine Flut von Weinschriften zu verzeichnen, und zwar zu allen Bereichen des Weines und Weinbaues: Allgemeine Nachschlagewerke (Standardwerke), Weinlexika, Weinatlanten, Weinstrassenführer, Ratgeber, gastronomische Führer zu Weinstuben und Straußwirtschaften, Literatur zu den einzelnen Anbaugebieten in aller Welt. Zahlreiche Weinbücher erscheinen immer wieder in neuen, teilweise aktualisierten Auflagen. Auch werden ältere Weinschriften als Nachdrucke publiziert.

Seit einigen Jahren spielt auch der ökologische Weinbau eine sehr wichtige Rolle. Zahlreiche Schriften sind zu diesem Thema zu finden.

Im Jahr 1988 erschienen die ersten Weincomics, z. B. über die Entdeckung der Spätlese 1775 in Johannisberg im Rheingau.

Zu erwähnen sind auch die vielen Weinkrimis, die zum Teil historische Begebenheiten zum Wein beinhalten oder als kulinarische Krimis betrachtet werden können.

Neben den Weinmonographien sei auch auf die zahlreichen Aufsätze hingewiesen, die in verschiedenen Weinzeitschriften, Zeitschriften, Zeitungen und Sammelwerken veröffentlicht werden und den Weinforscher und Weinliebhaber über die neuesten Erkenntnisse auf dem Gebiete des Weines und Weinbaues informieren. Mehr als 270 Weinzeitschriften konnten nachgewiesen werden. Ferner werden von verschiedenen Institutionen und Vereinen Publikationen herausgegeben, so z.B. die Schriftenreihe der Gesellschaft für Geschichte des Weines e.V., Wiesbaden.

Im 20. und 21. Jahrhundert wurden und werden unzählige Schriften zu allen Gebieten des Weines und Weinbaues publiziert. Hinzu kommen moderne Medien, wie CD-ROMS, DVDs oder Hörbücher, die weiter an Bedeutung gewinnen. Außerdem stehen Netzpublikationen (Elektronische Ressourcen) im Internet zur Verfügung. In jüngster Zeit werden ebenso Kalender, Spiele, Kartenspiele, Karten, Poster, Puzzles angeboten, die den Weinliebhaber mit dem Wein, seiner Geschichte, seiner Kultur und den verschiedenen Anbaugebieten vertraut machen sollen und als spielerische Alternativen zu Weinbüchern betrachtet werden können.

2. Bibliographien

Gedruckte Weinbibliographien


Während Druckschriften über Wein und Weinbau schon im 15. Jahrhundert nachzuweisen sind, erschien die erste selbstständige Weinbibliographie erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Für den Zeitraum vom 15. bis Ende des 18. Jahrhunderts gibt es zum Thema Wein neben Literaturnachweisen in den gebräuchlichen Allgemein- und Nationalbibliographien lediglich die bibliographischen Anhänge zu Monographien über Wein, Weinbau usw. Von den zuletzt genannten Schriften seien als wichtigste hier genannt:

Julius Bernhard von Rohr Compendieuse Haushaltungs-Bibliothek, ... 2. Auflage. Leipzig 1726, Johann Christoph Wöllner Unterricht zu einer kleinen auserlesenen oekonomischen Bibliothek, ... .Berlin 1765, und Christian Andreas Müller Allgemeine Anleitung zur Sächsischen Weinpflege im Berge und Keller, ... . Dresden 1777. Rohr fügt seinem Kapitel über Weinbau einen Abschnitt über ältere Weinliteratur an, allerdings ohne nähere bibliographische Angaben, wie Erscheinungsort und Jahr. Christian Andreas Müller führt in sieben Spalten die ihm bekannten wissenschaftlichen Werke über Wein chronologisch auf, zunächst allgemeine Schriften zur Landwirtschaft, anschließend spezielle Weinliteratur, und zwar in Form verkürzter Titel mit Erscheinungsjahr aber ohne sonstige bibliographische Angaben.

Einen entscheidenden Fortschritt bedeutet Georg Rudolph Boehmers Werk Bibliotheca scriptorum historiae naturalis oeconomiae ... . Leipzig 1785-1789, das zum ersten Mal ein umfangreiches Verzeichnis über Weinschriften des In- und Auslandes darstellt, allerdings wiederum nur mit verkürzten Titeln, aber mit Erscheinungsort und -jahr.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erschien in Friedrich Benedict Webers Handbuch der ökonomischen Literatur ... . Berlin 1803-1842 eine größere Literaturzusammenstellung über Wein in systematischer Ordnung, und zwar sowohl im Hauptband als auch in den fünf Supplementbänden.

1829 veröffentlichte Johann Carl Leuchs im Zuge seiner Vollständigen Weinkunde ... eine knappe Literaturzusammenstellung.

 
Wenig später (1832) erschien die erste selbstständige Weinbibliographie von Christoph Wilhelm Jakob Gatterer Literatur des Weinbaues aller Nationen. Sie ist sachlich gegliedert und durch ein Autoren- und Sachregister erschlossen, enthält deutsch- und fremdsprachiges Schrifttum mit "Nützlichkeit" des jeweiligen Werkes.
 
Eine weitere selbstständige Weinbibliographie publizierte Friedrich August Thienemann im Jahre 1839. Er ordnet die Titel alphabetisch, erfasst deutsche und ausländische Literatur und führt die Schriften verkürzt mit Erscheinungsort und -jahr auf.
 
In den Jahren danach ist Weinschrifttum wieder lediglich in ökonomischen Literaturverzeichnisssen zu finden (z.B. in der Bibliotheca oeconomica ... 2. Auflage. Leipzig 1841 und in Dochnahls Bibliotheca hortensis. Nürnberg 1861 usw.).
 
Erst in den Annalen der Oenologie erschien (1872-1876) eine umfassende Weinbibliographie. Autoren sind E. Wagenmann und Adolph Blankenhorn (1843-1906), die nach Sprachen chronologisch ordnen. Die aufgenommene Literatur reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Der Hauptteil und der erste Nachtrag wurden 1875 in einem Sonderdruck unter dem Titel: Wagenmann, E.; Blankenhorn, Adolph Bibliotheca oenologica veröffentlicht und zur leichteren Benutzung mit einem Autorenregister und Register der anonymen Titel ergänzt.
 
Als letzte einschlägige Bibliographie des 19. Jahrhunderts erschien 1881 O. Gracklauers Literaturverzeichnis über Weinbereitung, Weinverbesserung, Kellereiwesen, das den Berichtszeitraum von 1865 bis 1881 umfasst.
 
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts (1913) brachte der Bibliograph und Schriftsteller André Louis Simon (1877-1970) die Bibliotheca vinaria heraus (Nachdrucke 1979 und 1985). Sie ist in ihrem Hauptteil sachlich gegliedert, innerhalb der Systematik nach Sprachen chronologisch geordnet. Leider geben die Register keine Seitenzahlen an, so dass mühsames Suchen nach bestimmten Titeln notwendig ist. Diese Bibliographie weist Weinschrifttum vom 15. bis 20. Jahrhundert ohne exakte bibliographische Angaben nach.
 
Friedrich von Bassermann-Jordan (1872-1959), Gutsbesitzer aus der Pfalz, veröffentlichte 1907 die erste Auflage seines Standardwerkes Geschichte des Weinbaues ... mit einem umfangreichen Literaturverzeichnis, das in der zweiten Auflage (1923; Nachdrucke 1975 und 1991) wesentlich erweitert wurde. Auf vollständige bibliographische Angaben hat Bassermann-Jordan bewusst verzichtet. Die Weinschriften sind alphabetisch nach Autoren und Sachtiteln mit Erscheinungsort und -jahr zitiert. Die verkürzten Titel lassen manchmal nicht erkennen, ob es sich tatsächlich um Weinliteratur handelt. Zudem weichen die Namensformen verschiedentlich von den in Allgemein- und Nationalbibliographien gebräuchlichen Formen ab. Manche Titel sind zweimal aufgeführt. Wenn z.B. bei ursprünglich anonymen Schriften später der Verfasser ermittelt werden konnte, findet sich das Werk ohne Hinweis einmal unter dem Autor und einmal unter dem anonymen Sachtitel. Trotz einiger Mängel bietet das Literaturverzeichnis demjenigen, der sich orientieren möchte, was von Beginn des Buchdrucks bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Gebiete des Weinbaus im deutsch- und fremdsprachigen Raum publiziert worden ist, eine sehr wertvolle Hilfe und ist auch heute noch unverzichtbar.
 
André Louis Simon ist auch der Verfasser einer zweiten Weinbibliographie, der Bibliotheca Bacchica.
Der erste Band (erschienen 1927) enthält die Inkunabeln (Wiegendrucke bis 1500) zum Thema "Wein" und außerdem vor allem unselbstständige (d.h. als grössere Abschnitte in Sammelwerken über Landwirtschaft) erschienene Schriften. Diese sind chronologisch geordnet und durchgehend nummeriert. Teilweise enthalten die Titelaufnahmen Kommentare des Autors in französischer Sprache (z.B. zum Inhalt) und Hinweise auf die gebräuchlichen Inkunabelverzeichnisse.
 
Im zweiten Band (erschienen 1932) sind Weinpublikationen des 16. Jahrhunderts alphabetisch nach Autoren und anonymen Schriften aufgelistet. Sie sind fortlaufend nummeriert und zum Teil mit Anmerkungen des Verfassers versehen. 1972 erschien ein Reprint der Bibliotheca Bacchica.
 
Danach gibt es bis zum Jahre 1951 Literaturzusammenstellungen nur zu einzelnen Teilgebieten der Weinwissenschaft. Von 1951 bis 1967 stellte Hans Moritz Meyer in verschiedenen Weinzeitschriften (Der deutsche Weinbau; Die Weinwissenschaft und Weinberg und Keller) das Weinschrifttum jeweils eines Jahres zusammen, gelegentlich mit Nachträgen. Er erfasst Monographien, Weinzeitschriften und Artikel aus Sammelwerken. Diese Bibliographien sind sachlich gegliedert und werden durch ein integriertes Autoren- und Sachtitelregister erschlossen.
 
In den Jahren 1976, 1978, 1982 und 1984 erschienen das Grundwerk und die Supplemente 1 bis 3 der Bibliographie zur Geschichte des Weines [= Schoene] mit insgesamt 13.309 Weintiteln.
 
Im Jahr 1988 wurde die 2. Auflage [= Schoene2], inzwischen vergriffen, im K. G. Saur Verlag (München) veröffentlicht. Sie basiert auf dem Grundwerk und den drei Supplementa der ersten Auflage und ist systematisch gegliedert. Autorenregister, Register der anonymen Schriften und Sachregister erschliessen die Schoene2. Aus Kostengründen konnten danach weder gedruckte Supplemente noch eine Neuauflage herausgebracht werden.
 
Zwei gedruckte regionale Weinbibliographien sind zu erwähnen:
Für Sachsen: Renate Schoene: Bibliographie zur Geschichte und Kultur des Weines in Sachsen (Sächsische Weinbibliographie) ... . Radebeul 2002, S. 93-207. [402 Titel].
 
Für Grünberg (Polen): Aneta Borkowska; Miroslaw Kuleba; Zofia Maziarz: Bibliografia Zielonogórskiego Winiarstwa. Zielona Góra [Grünberg] 2006. 506 S. [8.158 Titel; deutsch- und polnischsprachige Weinliteratur].
 
Gedruckte Weinbibliographien sind im Allgemeinen in sich abgeschlossen, decken einen Berichtszeitraum oder eine Region ab. Einige Bibliographien waren so wertvolle Hilfen für Forschung und Wissenschaft, dass sie für Interessenten nachgedruckt wurden.
 
 
Weinbibliographien im Internet
  
Printausgaben können nicht aktuell sein, da sie schon kurz nach Drucklegung überholt sind. So werden in unserer Zeit zunehmend Weinbibliographien im Internet zur Verfügung gestellt, da dieses Medium große Datenmengen anbieten kann und eine laufende Aktualisierung möglich ist. Zudem bieten Internet-Versionen sehr komfortable Suchmöglichkeiten und gegenüber den gedruckten Weinbibliographien vielfältigere Sucheinstiege, um ältere und neuere Weinliteratur präzise, schnell und sehr aktuell ermitteln zu können.
 
Seit 2003, 15 Jahre nach Erscheinen der 2. Auflage, wird die Bibliographie zur Geschichte des Weines, nunmehr unter dem Titel Bibliographie zur Geschichte und Kultur des Weines (3. Auflage [= Schoene3]) als Datenbank kostenfrei ins Internet gestellt. Sie bildet die Fortsetzung der beiden gedruckten Auflagen. Die 2. gedruckte Auflage wurde von der Autorin völlig überarbeitet, ergänzt und aktualisiert und steht vollständig im Internet zur Verfügung. Die Titel-Nummern 1 bis 14.713 der Internet-Ausgabe sind mit denen der gedruckten Fassung identisch.
 

Hingewiesen sei auch auf die von Gottfried Pahl und Renate Schoene zusammengestellte Bibliographie zum Weinbau an der Lahn (URL: http://www.lbz-rlp.de/cms/landeskunde/lahnwein/ und VITIS-VEA (URL: http://www.vitis-vea.de),

eine internationale Literaturdatenbank auf dem Gebiet des Weinbaus in englischer Sprache.
 
Gedruckte und im Internet zur Verfügung stehende Weinbibliographien sind wichtige Kommunikationsmittel für Weinwissenschaftler, -forscher, - praktiker, -konsumenten und -liebhaber, Sie dienen zur Erschliessung der Weinliteratur, die sonst nur verstreut in anderen bibliographischen Quellennachzuweisenwäre.   
 
 
 

Bibliographien
(chronologisch nach Erscheinungsjahren geordnet)

 
GATTERER, Christoph Wilhelm Jakob: Literatur des Weinbaues aller Nationen ... . Heidelberg 1832. [Schoene3: 307].
THIENEMANN, Friedrich August Ludwig: Die Weinwissenschaft in ihrem ganzen Umfange bearbeitet. Leipzig & Dresden 1839. [Schoene3: 349].
WAGENMANN, E.; BLANKENHORN, Adolph: Bibliotheca oenologica. Heidelberg 1875. [Schoene3: 350]. 
WAGENMANN, E.: Zusammenstellung der önologischen Literatur. [Nebst] Nachtrag 1-6. Heidelberg 1872-1881/83. [Schoene3: 353. 354. 355. 356. 357. 358].
SIMON, André Louis: Bibliotheca vinaria. London 1913. [Schoene3: 347].
Nachdruck London 1979. [Schoene3: 22738]. 
Nachdruck Sala Bolognese 1985. [Schoene3: 19842.] .
BASSERMANN-JORDAN, Friedrich von: Geschichte des Weinbaus ... . 2. Auflage. Bd. 1-3. Frankfurt a.M. 1923 . [Schoene3: 1646].
  1. Auflage. 1907. [Schoene3: 1645].
  2. Auflage (= Nachdruck der 2. Auflage). 1975. [Schoene3: 1647].
  3. Auflage (= Nachdruck der 2. Auflage). 1991. [Schoene3: 19311].
SIMON, André Louis: Bibliotheca Bacchica. T. 1.2 . London & Paris 1927-1932. [Schoene3: 24701].
Reprint. London 1972. [Schoene3: 24702].
SCHOENE, Renate: Bibliographie zur Geschichte des Weines. Mannheim 1976. [Schoene3: 341]. [Nebst] Supplement 1-3. 1978-1984. [Schoene3: 342. 343. 344]. [Zitiert: Schoene]
SCHOENE, Renate: Bibliographie zur Geschichte des Weines. 2. Auflage. München, New York, London, Paris 1988. [Schoene3: 22232]. [Zitiert: Schoene2].
VITIS-VEA. [Internet-Ausgabe]. 1969 - Siebeldingen: Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI) [1998 -  ] URL: http://www.vitis-vea.de [Schoene3: 21649].
SCHOENE, Renate: Bibliographie zur Geschichte und Kultur des Weines in Sachsen (Sächsische Weinbibliographie) ... . Radebeul 2002. [Schoene3: 21256].
PAHL, Gottfried, SCHOENE, Renate: Bibliographie zum Weinbau an der Lahn. [Internet-Ausgabe]. Koblenz: Landesbibliothekszentrum (2002-2009: [Bad Ems: Kreisverwaltung]) 2010 - URL: http://www.lbz-rlp.de/cms/landeskunde/lahnwein/ [Schoene3: 21698].
SCHOENE, Renate: Bibliographie zur Geschichte und Kultur des Weines [= Schoene3] [Internet-Ausgabe]. [3. Auflage]. Bonn 2003 - URL: https://weinbaugeschichte.bmel.de [Schoene3: 22233]. [Zitiert: Schoene3]. 
BORKOWSKA, Aneta; KULEBA, Miroslaw; MAZIARZ, Zofia: Bibliografia Zielonogórskiego Winiarstwa. Zielona Góra [Grünberg]: Archiwum Panstwowe w Zielonej Górze 2006. 506 S.
[Betr. Weinbau in Grünberg].
 

Bonn, im Dezember 2009                                                                                                                       

Renate Schoene


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